Das Internet ist mittlerweile zur größten Werbeplattform überhaupt geworden. Das zeigt sich einerseits durch die Schaltung von Bannern und Pop-Ups, indirekter aber auch durch Marketing via Social Media. Im Laufe der 2000er und 2010er Jahre entwickelte sich die typische Werbung, wie sie im Zuge der prosperierenden Wirtschaft der 50er Jahren begann, stetig in eine ganz neue Richtung: Die ehemals vordergründige Produkt- und Unternehmensorientierung wurde zugunsten eines stärker werdenden Fokus auf Kundenkommunikation aufgegeben. Grund für diese Entwicklung ist vor allem das wachsende Spektrum an Social Media Kanälen.

Unter ‘Social Media’ versteht man digitale Anwendungen, bei der Nutzer Content - so zum Beispiel Bilder, Text, Audio- und Video-Dateien - selbst herstellen und austauschen können (user-generated content). Die Grenzen zwischen sozialen Netzwerken (z.B. Facebook), Content Communities (z.B. Youtube), Fotosharing-Plattformen (z.B. Instagram) und Mikroblogs (z.B. Twitter) sind dabei fließend und viele Kanäle sind nicht klar in eine Schublade einzuordnen. Gemeinsam ist diesen ‘neuen’ Medienkanälen aber ihr Erfolgsgeheimnis: Der Produktions- und Veröffentlichungsprozess ist im Vergleich zu den klassischen Medien (Fernsehen, Zeitung) unkompliziert und erfordert geringen Aufwand.

Social Media für Unternehmen

Auch Unternehmen haben das Potential von Social Media erkannt: ihre Marke dadurch einerseits zu positionieren (brand awareness), es aber auch für wirtschaftliche Zwecke bei der Vermarktung ihrer Produkte zu nutzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Social-Media-Marketing ist kostengünstiger als Werbung über die klassischen Medien, die Reichweite größer, das Zielgruppen-Targeting viel genauer und Erfolgskontrolle in Echtzeit messbar.

Doch reicht es nicht, eine Unternehmens-Facebook-Seite anzulegen und diese dann ihrem Schicksal zu überlassen. Gezieltes Social-Media-Marketing ist kanalübergreifend und will stetig gepflegt werden. Dazu gehört das Posten aktueller, relevanter Inhalte, das Schaffen von Anreizen für Kunden und vor allem das Reagieren auf wertvolles Feedback. Dabei kann dieses natürlich auch negativ ausfallen und im Rahmen eines ‘Shitstorms’ zu heftiger Kritik und Diskussionen über das Unternehmen sorgen. Vielleicht schrecken genau deshalb manche Firmen noch vor Social Media zurück. Andere haben wiederum die Relevanz erkannt und haben Social Media fest in ihr Customer Relationship Management und ihre Unternehmensorganisation integriert.

Besonders im E-Commerce unterschätzen viele Firmen das wirtschaftliche Potential vieler neuer Kanäle. Mit einem Blick auf Social-Media-Trends in den USA wird schnell klar, dass diese Form des Marketings gekommen ist, um zu bleiben. Einige Plattformen sind noch recht unerschlossen und bieten viele Chancen, für Vermarktungszwecke angezapft zu werden.

Welches sind die wichtigsten Plattformen und welche Chancen bieten Sie für die Zukunft?

Facebook

Mit ca. 2,2 Milliarden Nutzern ist Facebook, 2004 gegründet, das größte soziale Netzwerk und damit auch das für Werbezwecke wohl meist genutzte. Mittlerweile gibt es verschiedene Profil-Formate, sodass auch Unternehmen oder kleinere Firmen eine eigene Seite kreieren können.

Da Facebook so bekannt und beliebt ist, ist es mittlerweile sehr schwierig geworden, dort als Marke noch aufzufallen und aus der Masse herauszustechen. Die Plattform bietet Werbung z.B. in Form von gesponsorten Posts an und liefert dazu auch umfangreiche Analyse-Tools. Die Zielgruppe wird genau nach Interessen und vorherigen Interaktionen ausgesucht. Ein Nachteil ist jedoch die geringe organische Reichweite: Eine Marke erreicht durch den Facebook-eigenen Algorithmus nur einen geringen Prozentsatz ihrer tatsächlichen Follower.

Dafür wird sich Facebook in Zukunft immer mehr als Kunden-Kommunikationstool etablieren. Das Netzwerk eignet sich z.B. sehr gut für Umfragen in Bezug auf Produkte. Gleichzeitig ziehen viele Kunden es vor, ihre Fragen an ein Unternehmen via Facebook-Nachricht zu senden, statt eine E-Mail an den Kundenservice zu schreiben. Um also eine Kundenbeziehung und Vertrauen aufzubauen, kann Facebook bei regelmäßiger Betreuung helfen.

Twitter

Der Mikroblogging-Service Twitter gehört ähnlich wie Facebook mittlerweile fast zum Standard. Die textbasierten Posts dürfen maximal 280 Zeichen enthalten, aber können durch (audio-)visuelle Elemente ergänzt werden. Tweets mit Bild und Hashtags generieren doppelt so viel Interaktion mit Followern. Interagieren kann man auf Twitter, indem man einen Post mit Sternchen favorisiert oder retweetet.

Mit über 9000 Tweets pro Sekunde (TPS) sind die einzelnen Posts allerdings relativ schnell vergänglich. Wichtig ist Twitter trotzdem: Seit 2015 werden relevante Tweets bzw. Twitter-Profile sogar in Google-Ergebnissen angezeigt.

Google+

Als Google-Produkt lohnt sich ein Google+ Account schon allein aus Google-Ranking bzw. SEO Gründen. Kleineren Unternehmen wird so außerdem garantiert, auf Google Maps gefunden zu werden. Obwohl Google+ viele Features wie eigene Kreise für Freunde und Business-Partner und den integrierten Messenger ‘Hangouts’ bietet, hat die Plattform sehr viele inaktive Nutzer.

Pinterest

Pinterest galt lange Zeit als Plattform für Frauen, die gerade ihre Hochzeit planen. Auch aktuell sind der überwiegende Großteil der 200 Millionen Nutzer weiblich. Die Fotoplattform macht es möglich, Bildinhalte auf digitale Pinnwände zu posten. Die so entstandenen Kollagen können nach Unterkategorien sortiert und mit einzelnen Posts befüllt werden, sodass man eine unendliche Zahl von Themen-Boards ansammeln kann. Die beliebtesten Kategorien für Deutschland sind z.B. Essen und Trinken, Mode, Do-It-Yourself Ideen und Interior.

Pinterest wird genutzt, um Lifestyle-Inspiration zu finden, aber auch, um neue Produkte zu entdecken. In den USA wurde die starke Kaufkraft der Nutzer zuerst erkannt: Ein integrierter Buy-It-Button führt den User vom betrachteten Pin direkt zum Online-Shop. Das hat sich einige Zeit später natürlich auch in Deutschland durchgesetzt.

Attraktiv ist Pinterest besonders im E-Commerce. Anders als bei Facebook suchen die meisten Nutzer hier tatsächlich nach Produkten und bringen eine große Kaufbereitschaft mit. Ein eigener Pinterest-Share-Button im Online-Shop lädt Besucher zudem dazu ein, die Produkte auf der Plattform zu teilen.

Instagram

Der Trend zum Visual-Content-Marketing zeigt sich besonders im Erfolg der Foto-App Instagram. Seit 2012 gehört sie zu Facebook und verzeichnet seit dem Launch 2010 ein rasantes Wachstum an Nutzern. Eine Milliarde (!) Nutzer posten hier täglich Fotos oder kurze Videos. Jeden Tag werden 3,5 Milliarden Likes in Form von Herzen verteilt.

Instagram-User zeichnen sich durch eine sehr hohe Interaktionsfreude mit Marken und Unternehmen aus. Im Schnitt interagieren 1,46% der Follower eines Unternehmens mit diesem - zum Vergleich: bei Twitter sind dies nur 0,03%. Im Gegensatz zum internen Filter von Facebook werden Usern alle Inhalte der von Ihnen verfolgten Profile angezeigt. Seit August 2015 ist es Firmen außerdem möglich, gesponsorte Posts zu teilen. Mit sogenannten Carousel Ads kann ein Unternehmen gleich mehrere Fotos in einer Slide-Show posten, die der User durch die Swipe-Funktion ansehen kann. Um hier Eindruck zu schinden, muss man also kreativ sein und vor allem auf eine ästhetische Bildsprache setzen. Erfolgreich sind auf Instagram Unternehmen, die stimmungsgeladene Bilder mit hoher Qualität posten. Dabei darf es nicht nur ums Verkaufen gehen: Beliebt sind Blicke hinter die Kulissen und aus dem Alltag der Menschen hinter der Marke.

Youtube

Die Video-Plattform Youtube hat schon so einige Stars hervorgebracht. Youtube ist besonders beliebt für user-generated content, also selbstgemachte Amateur-Videos, in denen gesungen, performt, gekocht oder erklärt wird. Daraus ist eine ganz neue Generation von Youtubern oder Vloggern (Video-Blogger) entstanden, die mit mehreren huntertausend Abonnenten zu starken Influencern gehören. Unternehmen haben sich dies zunutze gemacht und gehen gerne Kooperationen im Rahmen von Produkttests, -vorstellungen oder -tutorials ein. Erfolgreiche Vlogger sind allerdings wählerisch und möchten glaubwürdig bleiben. Für eine Kooperation sollten die Marketing-Idee also sehr genau auf den Partner zugeschnitten sein. Daneben sind auf Youtube auch klassische Ads wie Werbebanner im unteren Videorand oder vorgeschaltete Werbevideos möglich.

Generiert ein Unternehmen ein eigenes Marketing-Video, lohnt es sich, auch hier via Youtube zu arbeiten. Neun von zehn der Videos in den oberen Google-Ergebnissen sind von Youtube bereitgestellt.

Snapchat

Snapchat ist eine Anwendung mit großem Potential. Der kostenlose Instant-Messaging-Dienst galt anfangs als ein wenig verrucht, da er wohl häufig genutzt wurde, um Nacktfotos (Nudes) zu versenden. Die geposteten Bilder löschen sich nämlich innerhalb von wahlweise 1-10 Sekunden. Anders als bei Instagram kann man die Posts nicht vorher bearbeiten und planen. Snapchat lebt von der Spontaneität der unmittelbar aufgenommenen Schnappschüsse. Die Bilder dürfen vor der Veröffentlichung noch um Text, Emoticons und Zeichnungen erweitert werden. Man sendet seine Fotos dann entweder privat an Freunde, die diese nur kurz betrachten können. Die neuere Funktion ‘Stories’ erlaubt wiederum eine ‘Lebensdauer’ von 24 Stunden. Die eigenen Stories sind für alle Freunde sichtbar.

User haben die Wahl, sich die Updates ihrer Freunde anzusehen oder aber ‘Discover’ zu nutzen. Via ‘Discover’ haben Firmen die Möglichkeit ‘Instant Articles’ als Fotostory zu veröffentlichen. Der Autoverleih sixt hat dies beispielsweise schon genutzt, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Die meisten Snapchat-User sind unter 25, ein Drittel sogar unter 18. Wer als Unternehmen eine jüngere Zielgruppe erreichen will, sollte die App also unbedingt genauer unter die Lupe nehmen.

Übrigens

Auch Google ist an ‘Social Signals’ interessiert. Je mehr über das Unternehmen oder die Marke auf Social Media Kanälen gesprochen, sie geteilt und verlinkt werden, umso besser. Für klassiches Linkbuilding ist eine Linkplatzierung via Facebook-Post zwar nicht relevant für die Suchergebnisse, jedoch ist eine deutliche Korrelation zwischen PageRank und Frequenz der Social Media Interaktionen zu vermuten.